Externe NVMe am Mac – fast so schnell wie intern
Ich habe hier schon einmal davon berichtet, wie man einen Intel-Mac über Thunderbolt von einer NVMe-SSD bootet und einem Fusion-Drive-Mac damit richtig Flügel verleiht – ganz ohne ihn aufzuschrauben. Heute gibt es so etwas wie die Fortsetzung, diesmal für meinen aktuellen Mac.
Warum überhaupt?
Mit 500 GB komme ich bei der internen SSD meines aktuellen Macs immer wieder an die Grenzen. Also habe ich eine ältere WD Black SN770 mit 2 TB, die ich noch ausgebaut herumliegen hatte, in ein Thunderbolt-/USB4-Gehäuse von Ugreen gesteckt. Wichtig dabei: das beiliegende Wärmeleitpad nicht vergessen, sonst wird die SSD unter Last heiß und bremst sich selbst aus.
Das Gehäuse passt optisch wunderbar zum Studio Display und wird von meiner Halterung hinten am Display gleich mitgetragen – kein zusätzlicher Kasten auf dem Schreibtisch.

Bleibt die Frage: Bringt das wirklich etwas, oder hätte es auch eine fertige externe SSD getan? Zum Vergleich hatte ich noch meine Samsung T5 da, also eine typische „Fertiglösung“ für USB-C.
Wie ich gemessen habe
Gemessen habe ich mit fio, dem Standardwerkzeug für Laufwerks-Benchmarks unter Linux, das es über Homebrew auch für den Mac gibt (brew install fio). Damit die Ergebnisse vergleichbar und schön lesbar sind, habe ich mir ein kleines Skript gebaut, das jede SSD mit denselben vier Tests prüft – angelehnt an CrystalDiskMark bzw. AmorphousDiskMark:
- SEQ 1M – große Dateien am Stück (Videos, Fotobibliotheken, Disk-Images)
- RND 4K – viele kleine Zugriffe kreuz und quer (Programmstart, Systemdienste, Datenbanken)
- Q8 / Q32 – viele Aufträge gleichzeitig, also das, was maximal geht
- Q1 – ein Auftrag nach dem anderen, das kommt dem Alltag am nächsten
Jeder Test lief 15 Sekunden mit einer 4-GB-Testdatei und ohne Zwischenspeicher (Direct I/O), damit wirklich die SSD gemessen wird und nicht der Arbeitsspeicher.
Die Kandidaten
| Laufwerk | Modell | Anschluss | Größe | Gemessen |
|---|---|---|---|---|
| Interne SSD | APPLE SSD AP0512Z | Apple Fabric | 500 GB | 20.10.2026 |
| Samsung T5 | Portable SSD T5 | USB-C (10 Gbit/s) | 1.000 GB | 20.10.2026 |
| WD Black SN770 | WD_BLACK SN770 2TB | Thunderbolt / USB4 | 2.000 GB | 20.10.2026 |
Ergebnisse (MB/s)
| Test | Interne SSD | Samsung T5 | WD Black SN770 |
|---|---|---|---|
| SEQ 1M Q8 Lesen | 6.564 | 569 | 3.824 |
| SEQ 1M Q8 Schreiben | 3.500 | 522 | 3.389 |
| SEQ 1M Q1 Lesen | 3.195 | 491 | 3.134 |
| SEQ 1M Q1 Schreiben | 3.438 | 454 | 2.398 |
| RND 4K Q32 Lesen | 651 | 208 | 367 |
| RND 4K Q32 Schreiben | 148 | 40,8 | 219 |
| RND 4K Q1 Lesen | 55,0 | 24,3 | 32,3 |
| RND 4K Q1 Schreiben | 37,4 | 14,5 | 23,7 |
Grafisch
SEQ 1M Q8 · Lesen
Interne SSD ██████████████████████████████ 6.564 MB/s ★
Samsung T5 ██▋ 569 MB/s
WD Black SN770 █████████████████▌ 3.824 MB/s
SEQ 1M Q8 · Schreiben
Interne SSD ██████████████████████████████ 3.500 MB/s ★
Samsung T5 ████▌ 522 MB/s
WD Black SN770 █████████████████████████████ 3.389 MB/s
SEQ 1M Q1 · Lesen
Interne SSD ██████████████████████████████ 3.195 MB/s ★
Samsung T5 ████▋ 491 MB/s
WD Black SN770 █████████████████████████████▍ 3.134 MB/s
SEQ 1M Q1 · Schreiben
Interne SSD ██████████████████████████████ 3.438 MB/s ★
Samsung T5 ████ 454 MB/s
WD Black SN770 ████████████████████▉ 2.398 MB/s
RND 4K Q32 · Lesen
Interne SSD ██████████████████████████████ 651 MB/s 159.050 IOPS ★
Samsung T5 █████████▋ 208 MB/s 50.798 IOPS
WD Black SN770 ████████████████▉ 367 MB/s 89.573 IOPS
RND 4K Q32 · Schreiben
Interne SSD ████████████████████▍ 148 MB/s 36.215 IOPS
Samsung T5 █████▋ 40,8 MB/s 9.952 IOPS
WD Black SN770 ██████████████████████████████ 219 MB/s 53.412 IOPS ★
RND 4K Q1 · Lesen
Interne SSD ██████████████████████████████ 55,0 MB/s 13.432 IOPS ★
Samsung T5 █████████████▎ 24,3 MB/s 5.943 IOPS
WD Black SN770 █████████████████▋ 32,3 MB/s 7.896 IOPS
RND 4K Q1 · Schreiben
Interne SSD ██████████████████████████████ 37,4 MB/s 9.128 IOPS ★
Samsung T5 ███████████▋ 14,5 MB/s 3.536 IOPS
WD Black SN770 ███████████████████ 23,7 MB/s 5.792 IOPS
SEQ = große Dateien am Stück · RND 4K = viele kleine Zugriffe
Q = Warteschlangentiefe (gleichzeitige Aufträge) · ★ = schnellstes Laufwerk
Fazit
Die selbst gebaute Lösung schlägt die Fertiglösung deutlich: Bei großen Dateien ist die SN770 im Ugreen-Gehäuse sechs- bis siebenmal so schnell wie die Samsung T5 – und das bei doppelter Kapazität.
Noch erstaunlicher finde ich den Vergleich mit der internen SSD: Beim Schreiben großer Dateien liegt die externe NVMe praktisch gleichauf (3.389 zu 3.500 MB/s), beim Lesen einzelner großer Dateien ebenso (3.134 zu 3.195 MB/s). Bei vielen kleinen Schreibzugriffen gleichzeitig ist sie sogar schneller als die interne. Nur beim maximalen Lesedurchsatz zieht die interne SSD davon – hier ist mit rund 3.800 MB/s einfach das Ende dessen erreicht, was über Thunderbolt/USB4 durch das Kabel passt.
Bei den einzelnen kleinen Zugriffen (Q1) merkt man, dass jeder Weg über das Kabel ein klein wenig länger dauert. Im Alltag spüre ich davon aber nichts.
Unterm Strich: Wer am Mac an die Grenzen der internen SSD stößt, bekommt mit einer guten NVMe in einem Thunderbolt-/USB4-Gehäuse eine Erweiterung, die sich nahezu so schnell anfühlt wie die interne SSD – für einen Bruchteil dessen, was Apple für mehr Speicher verlangt.
