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Eintrag vom 3. Oktober 2026

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Wie und wofür ich KI nutze

Ich schreibe hier regelmäßig über KI, und weil das Thema derzeit in fast jedem Beitrag mitschwingt, gibt es heute eine ehrliche Bestandsaufnahme.

Die kurze Fassung steht auch auf der About-Seite, hier kommt die lange.

Die meisten kennen KI als Chatfenster: Frage rein, Antwort raus. Das nutze ich auch, aber es ist der kleinste Teil. Wichtiger ist, dass die KI bei mir am Rechner mitarbeitet. Sie liest meine Dateien, schreibt Skripte, räumt auf und baut mit mir Programme, die es sonst nicht gäbe: meine Tagebuch-App mythoughts mit Markdown-Dateien unter der Haube und einer Swift-Oberfläche obendrauf, diesen Blog samt Generator und Veröffentlichungsskript, eine App für mein elektronisches Schachbrett, eine kleine Verschlüsselungs-App und allerlei Helfer, die mir lästige Handarbeit abnehmen. Die Ideen, die Anforderungen und das Urteil, ob etwas taugt, kommen von mir.

Die KI liefert das Handwerk, nicht den Geschmack.

Auch bei Texten hilft sie mir. Ich lasse mir Entwürfe machen, Formulierungen glätten und Fehler korrigieren, und am Ende ist es mein Text, den ich gelesen, geändert und freigegeben habe. Die KI ist dabei eher Lektorin als Ghostwriterin, und die Lesbarkeit profitiert spürbar davon. Einige Bilder auf dem Blog sind mit Hilfe KI bearbeitet worden. Meine eigenen Fotos bleiben Fotos, auch wenn ich in Lightroom KI-Werkzeuge für Retusche und Rauschminderung nutze. Dazu kommen Fehlersuche in Konfigurationen und Logs, Aufräumen und Sortieren großer Dateibestände, Übersetzen, Zusammenfassen, Sprachenlernen und das Ausprobieren lokaler Modelle, die ganz ohne Cloud auf dem eigenen Rechner laufen.

Bei meiner Recherche zum Thema stoße ich immer wieder auf den Begriff Vibe Coding.

Gemeint ist, Software zu entwickeln, indem man der KI in natürlicher Sprache beschreibt, was man möchte, und den entstandenen Code im Wesentlichen nicht mehr selbst prüft oder versteht, sondern nur noch danach beurteilt, ob das Ergebnis sich richtig anfühlt. Der Begriff ist oft negativ belegt, und das nicht ohne Grund: Er steht für Code, den niemand mehr durchschaut, für Sicherheitslücken, die unbemerkt bleiben, und für ein Selbstverständnis als Entwickler, bei dem das Handwerk verloren geht.

Dieses Phänomen wird in der Programmiergemeinschaft häufig mit Skepsis betrachtet .

Wer unter hohem Zeit- und Konkurrenzdruck steht, wird um dieses ‚Prompt Coding‘ kaum herumkommen, um nicht abgehängt zu werden

Zwar mag die Qualität des KI-generierten Quellcodes derzeit noch hinter herkömmlichen Standards zurückbleiben, doch wird sich dies voraussichtlich rasch ändern: Zunächst wird der Code kaum noch von menschlichem zu unterscheiden sein, später möglicherweise gar nicht mehr verständlich – dennoch wird er aufgrund seiner Funktionalität eingesetzt werden.

Nicht nur ein Problem der IT Branche

In Frankreich wurde diese Woche über den Fall „Orélien“ berichtet. Die Entwicklung geht längst über die Programmierung hinaus und erfasst sämtliche Bereiche, die mit der Digitalisierung in Berührung kommen. Angenommen, ein KI-generierter Roman würde einen renommierten Literaturpreis gewinnen, ohne dass seine Herkunft erkennbar oder nachweisbar wäre – würde dies das Werk qualitativ abwerten?

Meiner Einschätzung nach hat die EU die KI-Renaissance weitgehend verpasst. Besonders das Verlagswesen scheint – ähnlich wie einst die Musikindustrie im Kontext von Napster – eine Branche zu sein, die zwar erhebliches Umsatzpotenzial durch KI hätte, dieses jedoch verpasst. Es wird langwierige juristische Auseinandersetzungen um geistiges Eigentum geben. Dass ein Verlag ein interaktives, KI-generiertes und nutzergesteuertes Leseerlebnis anbietet, ist derzeit kaum vorstellbar – dies wird vermutlich erst eintreten, wenn die Hölle zufriert.

Behaltet meine Worte im Gedächtnis.

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