Der Ausstieg aus Lightroom - oder etwa doch nicht?

Die Ausgangslage

Mit diesem Artikel tue ich mir schwer. Eigentlich war an dieser Stelle ein Ausstieg von Lightroom CC zum August geplant. Gestört hatte mich der Umstand, dass sämtliche Bilder in einer Lightroom Datenbank liegen und insofern eine gewisse Abhängigkeit nicht bestritten werden kann. Sofern man sich einmal an ein derartiges properitäres Produkt gebunden hat, ist ein Um- oder Ausstieg enorm erschwert.

Vorbereitungen

Von langer Hand geplant habe ich dies dann zum Anlaß genommen und habe aufgeräumt. Zwischen 250 und 300 GB an Bildern aus fast 25 Jahren wurde gesichtet, bewertet, in Alben verschoben, getaggt und aussortiert...

Das hat sehr *ange gedauert und ist immer noch noch weit entfernt von perfekt. Anschliessend wurden Alben angefertigt, die dann in eine Ordnerstruktur exportiert wurde. Also inkl. der Bearbeitungen. Die unbearbeiteten Quelldateien, zum Teil aus RAW Dateien bestehend liegen mir ebenfalls separat vor, die kann man sich nämlich sofern man die Lightroombilder auch auf der Festplatte (und nicht nur in der Cloud) speichert, problemlos extrahieren.

Darktable und Digikam ernüchtern

Ziel war es dann eigentlich auf Opensource Alternativen umzusteigen. Getestet wurde Darktable in der Version 3.4.1 (debian 11) https://www.darktable.org/, Digikam 7.1.0 https://www.digikam.org/. Natürlich habe ich auch mit Krita und Gimp gearbeitet und kleinere Tools wie shotwell mal angeschaut. Können diese Tools Lightroom CC, Affinity Photo ersetzen?

Ich hab dann einige Nachmittage immer mal wieder damit verbracht, versucht meinen Workflow auf Opensource umzustellen. Um es kurz zu machen. Mein System ist wirklich nicht schwach auf der Brust (Ryzen 7, 32 GB RAM, SSD). Es fing schon beim Start an. Digikam und Darktables waren offensichtlich massiv überfordert 300GB an Daten zu importieren. Ich kann gar nicht zählen wie oft Digikam abgeschmiert ist und bei Darktables sah es auch nicht viel besser aus.

Darüber gefällt mir in Darktables das System der "Filmrollen" irgendwie überhaupt nicht. Ich finde es verwirrend.

Nicht gleich aufgeben: Erstmal mit einer Hand voll Daten probiert und einzelne Session bearbeitet. Wie soll ich sagen: man fühlt sich komplett wie ein Anfänger. Einfachste Dinge kriegt man nicht hin. Ok, das stimmt nicht genau. Man kriegt sie hin, aber entweder nicht in der gleichen Qualität oder jedenfalls nicht in der gleichen Zeit. Während ich offensichtlich den Workflow mit Adobe so gewöhnt bin, dass ich in kurzer Zeit für mich akzeptable Ergebnisse mit wenigen Handgriffen hinkriege und dazu noch Stapelverarbeitung auf eine Vielzahl von Bildern extrem schnell überarbeiten kann, ist mir sehr schnell bewusst geworden: ein Umstieg von Lightroom CC wird kein Zuckerschlecken.
Ohne eine Synergie aus verschiedenen Tools (man zieht sich je das Beste aus jeder Anwendung) läuft da nichts. Darktable erschlägt einen zwar mit einer Vielzahl von Einstellungsmöglichkeiten. Richtig rund lief es dann aber nicht, mein erzieltes Ergebnis: naja.

Einschub: Wie siehts eigentlich zum Thema Videoschnitt aus: Kdenlive

An einem ähnlichen Punkt stehe ich jetzt übrigens: wo ich KDENlive durch iMovie ersetzen will. Auf der einen Seite scheint KDENLive mächtig zu sein, auf der anderen Seite, ist es mir beim rum probieren bereits einige Male abgeschmiert und manche Dinge (schnell mal einen gut aussehendes Textuntertitel einfliegen lassen usw...) scheinen schon kompliziert zu sein. Ich habe im Mai ein "grösseres" Schnittprojekt vor und werde KDENlive zu diesem Zeitpunkt definitiv noch mal eine Chance geben (wohlwissend dass ich eine Backup Lösung in Form vom iMovie auf einem M1 im Petto habe)

Ungleicher Kampf - man darf nicht Äpfel mit Birnen vergleichen

Richtig ist: Hinter Adobe steht jede Menge bezahlter Manpower und Kapital. Das lässt sich nicht Vergleichen mit einem Opensourceprojekt, wo wenige Menschen freiwillig und unbezahlt Abends ihre Freizeit opfern. Richtig ist aber auch: D.h. man muss zurück stecken können, seine Erwartungen runterschrauben.

Ich dachte schon, ich müsste für Lightroom dann halt Windows booten oder meinen Mac nehmen.

Die Weboberfläche von Adobe Lightroom

Dann bin ich auf die Weboberfläche von Adobe gestossen und bin gerade aus Sicht eines Linuxanwenders begeistert.
Man kann sie mit seinem Adobe Konto unter https://lightroom.adobe.com aufrufen. Vorausgesetzt ist aber auf jedenfalls eine breitband Internetanbindung.

Ja, es sind nicht 1:1 alle die Funktionen umgesetzt worden. Aber zu 90% wurde das die Kernfunktionalität übernommen, alles was man täglich nutzt ist auch da übernommen (mit Außnahme der praktsischen Stapelbearbeitung via Tastenkürzel Apfel+c und Apfel+v) Aber um mal eben ein Bild zu bearbeiten oder in seine Sammlung zu schauen ist die Weboberfläche in Ordnung und ich werde wohl unter Linux darauf zurück greifen oder eben MacOS nehmen.

Das ist nicht leicht. Eigentlich bin ich gar kein Freund von diversen Webanwendungen - die wohl spätestens seit der Google-Chrom-Area auf dem Vormarsch sind. Aber hey! Wenn ich die Wahl habe, bevorzuge ich diese immer noch diversen Handy Apps gegenüber. Ein gutes Beispiel, warum ich froh bin, dass es kein App, sondern ein Weboberfläche gibt, findet sich z.B. auch [hier](https://www.kkthxbye.wtf/?juwelheliaLuxSpectrum)

Im Ergebnis werde ich wohl mein Lightroom Abo weiter behalten. Jedenfalls vorerst. Ich halte das im Blick und werde in spätere Versionen gerne nochmal rein schauen. Debian Stable ist jetzt auch nicht bekannt dafür, dass es die aktuellsten Versionen nutzt.

Linux vs MacOS vs Windows: mühsam

Ich bin kein Freund von Missionaren. Auch wenn ich ganz klar Präferenzen habe und mal das eine OS, dann das andere OS den Vorzug gebe und diese auch verteidige, kann ich mittlerweile sagen dass alle drei Betriebssystem Vor und Nachteile haben. Ich arbeite wirklich gern mit Linux - und denke bei einigen Programmen: WOW - was hat die FLOSS Community da geleistet. Aber ich würde zum Spielen dennoch weiterhin Windows empfehlen und für Medienarbeit nutze ich am Liebsten den Mac oder Windows.

Dies ist aber kein Vorwurf an die Opensource Gemeinde: So verbissen wie vor 20 Jahren war, ist heute schon lang nicht mehr. Ich habe schon das Gefühl, wenn es ein properitäres Unternehmen gibt, die seine Anwendungen für Linux anbietet (Hallo Spotify), dann werfen viele Nutzer Ihre Einwände über den Haufen. Ich für meinen Teil ärgere ich mich auch nicht mit 100% freien Betriebsystemen und greife bei Debian zu [non free](https://cdimage.debian.org/cdimage/unofficial/non-free/cd-including-firmware/) Distributionen. Ich glaube auch, dass die Multimediatauglichkeit - ohne sich Gedanken zu den einzelen Lizenbestimmungen mit dazubeitragen, dass z.B. Linux Mint so beliebt ist.

Ich erinnere mich noch gut, dass wegen meiner Soundkarte das Bootmedium von Debian in der Grundinstallation gar nicht erst gebootet hat. Nachdem ich die Zusammenstellung der non-free Variante auswählte: kein Problem.

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